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Revox A77 Dolby defekt für 100 Euro gekauft

Ein Dolby Revox fehlt zu meiner Sammlung.
Wichtig für mich beim Kauf, das Tonband-Gerät ist in einem unverbastelten Zustand, hat wenige Gebrauchsspuren, einen minimalen Kopfspiegel, das Gehäuse ist intakt.
Dieses knapp 40 Jahre alte Tonband-Gerät war die Gelegenheit, die ich sofort nutzte. Ein Instandhaltung wird viel Zeit, Material und Geld kosten.
Erste Fehler:
Die Kugellager machen nur leichte Geräusche müssen aber ausgetauscht werden. Nur sehr gute temperaturbeständige Kugellager kommen in Frage.
Die Motorkondensatoren unbedingt erneuern, es hat keinen Sinn diese drin zulassen, auch wenn deren Wert noch im kalte Zustand gemessen wird.
Ein Revox-Andruckrolle kostet etwas. Die “billigen” Versionen taugen nichts, meistens merkt man sofort, wie das Gummi tangential eiert, es ist schlecht geschnitten, aber das größte Problem ist, das Lager, dass meistens Schrott ist. Es quietscht und leiert schnell aus, das Material ist zu weich und hält den Druck nicht auf Dauer stand. Einfach mal nach 10 Minuten Abspielzeit die Temperatur der “billigen” Gleitlager der Rolle messen.
Alle Schalter müssen zerlegt und die Federkontakten müssen ersetzt werden, hierfür auch auf Qualität achten, schlechtes verchromtes Material oder scharfkantig geschnitten, wird es euch eine Menge Stress verursachen.
Alle elektrolytischen Kondensatoren, auch die Tantal, müssen raus, hierfür nur das Beste kaufen, kann schon bis zum ein Euro pro Stück kosten.
Die Transistoren durch rauschärmere Transistoren ersetzten.
Gleichrichter ersetzen.
Löt-Potentiometer ersetzen.
Buchsen und Kontakte ersetzen, auch die von „In“ und „Out“.
Ein Abgleich wird für einen Ungeübten ein kleines Problem sein, gerade die Dolby-Geräte, wo man etwas umrechnen muss, wenn man die Werte nicht kennt. Für das Abgleichen nutzt man am besten das richtige Band dazu. Der Revox mit manuellen Bias braucht etwas mehr Aufmerksamkeit.
Eine Menge zu tun und das ist nicht alles.
Wenn für einen das Ganze zu viel ist, kann man eine der Firmen suchen, die wirklich nicht nur versprechen, sondern echt richtig gut arbeiten. Allerdings klar, das Material um die 250-300€ plus viel Zeit… Ein Werksauslieferungszustand Revox-Dolby Gerät wird über 1200€ kosten, meiner Beobachtungen nach.

Hier nur ein paar Bilder, bis jetzt hab ich nur das Netzteil instand gesetzt und die Haube gereinigt und poliert (machte echt viel Arbeit).

Geduld ist etwas was man heutzutage in sich selbst schwer findet.
Temperatur: Ein Hochleistung-Audio Gerät, wie der A77, setzt ein Teil der Energie in Wärme um, alles wird in dem Gerät warm. Die Temperatur beeinflusst alles in der Elektronik. Einfach mal in Elektronikbücher nachlesen, wie die Frequenzen durch Wärmeentwicklung die Kapazitäten, Spulen und Widerstände einer Schaltung veränderen.
Elkos: Ein Kondensator hat ein Parallelwiderstand, bei Kondensatoren eilt der Strom der Spannung vor. Strom und Spannung sind 90° in Phase gedreht. Ist der Widerstand des Kondensators zu hoch, hat der Kondensator eine höhere Güte. Mit der Zeit lässt die Güte nach, der Kondensator wird “langsam”. Nun selbst wenn der Kondensator eine sehr guten ESR hat, ist er nach so vielen Jahren “langsam” und untauglich für ein Hi-Fi Gerät. Jeder RC Schaltung wird dadurch nicht mehr optimal funktionieren, gerade dort wo Spulen oder RC-Schaltungen wie Oszillator bzw. Frequenz-Filter wirken. Wenn man nur minimal die Physik, die dahinter steckt, versteht, dann merkt man, das man noch mehr in Betracht ziehen muss außer nur Kondensatoren.
Widerstände: Leistungswiderstände, wo eine höhere Spannung anliegt, sollten überprüft werden. Man ersetzt sie durch Metalloxid-Widerstände, was nicht preiswert ist.
Kugellager: Laufen bei Revox ziemlich warm, das Fett verharzt oder zerfällt chemisch und greift das Metall an. Also austauschen, sonst wird die Leistungskurve des Drehmoment usw. negativ beeinflusst. Man kann sogar mit dem Oszilloskop in Bereich der Hochfrequenzen den unruhige Bandlauf visualisieren.
Transistoren: Der Verstärker in der Elektronik, ist der Transistor. Er wurde immer weiter entwickelt, daraus entstanden mit dem Zeit Transistoren die immer rauschärmer geworden sind. Für ein sehr gute Beschallung braucht man Leistung, im Kopfhörer stört dieses kaum hörbare Rauschen nicht unbedingt, in Boxen schon. Für manche Schaltungen braucht man allerdings gepaarte Transistoren, der Beta-Faktor spielt eine Rolle, den zwischen den extremen 10 und 900 ist eine Menge Spielraum.
Abgeschirmte Leitungen: Für die 70er reichten diese Abschirmungen aus, heutzutage nicht mehr. Wir leben in ein Welt voller Elektrosmog unter voller Abstrahlung aller möglicher Klein-Sender (LED-Lampen, WLAN, Smartphones, Tablets, PC, ISM-Geräten usw.) Wegen dessen gelangen Einströmungen in das Audiogerät. Deswegen sollten neuere besser abgeschirmte Leitungen, sowie an kritischen Stellen, wie lange Stromversorgungsleitungen, Ein- und Ausgängen, usw. Fritte Baluns eingebracht werden, sonst hört man wie das Handy in dem Netz taktet. Schlecht, wenn gerade einr Aufnahme läuft!
Abgleich: Mit einem Handy als Signalgenerator und Frequenzzähler wird es nicht funktionieren, man sollte mindestens halbwegs gute Werkstatt-Geräte benutzen oder man lässt in einer Hi-Fi Werkstatt abgleichen.
Gehäuse, Abdeckung bzw. Haube: Ich habe die Haube gereinigt und sehr lange aufpoliert, hierfür die vielen Tipps im Netz suchen. Auf keinen Fall mit Kratzerentferner oder Politur mit Elektrogeräten arbeiten. Das Material ist sehr weich und wird irreparabel zerstört, der Geduldige wird, wie immer, belohnt. Das Furnier, zum Glück hier nur altersbedingt verschmutzt, muss nur aufpoliert werden. Sollte es aber schwer nach Zitrone riechen, dann hat sich der Kleber verändert und wird demnächst nicht mehr halten.

Ich glaube die paar Einblicke reichen aus um sich ein Bild über so ein Gerät und ein kpl. Revidierung zu machen. Es wird lange dauern bis der Revox fertig sein wird.

Überarbeitet von Peter aus Niedersachsen

           

 

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