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BRAUN TGC 450 Reparatur und Abgleich

Ich habe mir ein Braun TGC 450 defekt für sehr wenig gekauft und sofort erkannt, dass der Braun sehr wenig gelaufen ist, weil er die originale Andruckrolle hat und aufgrund der allgemeinen Verschleißerscheinung, also nicht lange überlegt.
Gerät zerlegt und inspiziert.
Folgende erste Fehler sind mir aufgefallen: Antriebsriemen des Schwungrades ist am Ende, er klebt an den Lauffläche, schwer laufende Rollen, verstaubt aber sonst ist scheint es in Ordnung zu sein.
Zuerst die Mechanik revidiert: Schwungrad und Motor von den alten Riemenresten befreit und gereinigt, Spindel und Wickelrollen zerlegt/ausgebaut und vom alten Fett befreit und gereinigt, dann neu eingefettet und zusammengebaut, Azimut eingestellt, alle drei Riemen ausgetauscht, Elektronik gereinigt, nach alten Elkos gesucht, Regler gereinigt und alle Kontakten überprüft.
Erstaunlich, kein Fehler an der Elektronik, nicht mal ein alter Elko.

Tipp: für dir Reinigung aller Lager einfach Zahnseide verwenden, da gehen alle verkrustete Fettreste weg, immer mal wieder ein Tröpfchen Alkohol dazu geben.

Also wenn die Technik 100% OK ist, dann einmessen, Einstellung, Überprüfung der Bandgeschwindigkeit, Level L und R für Play und Rec. ohne Dolby.

Testband MFC 45 von König eingesetzt: 1KHz hören und mit dem Oszilloskop/Oszi visualisieren, hier ist es fehlerhaft. Die Geschwindigkeit leiert (hörbar) und das Oszillogramm zappelt gleichzeitig.
Fehler sofort erkannt: die Andruckrolle, die Achse und das Fett ist voll verharzt, die Rolle selber ist uneben.
Andruckrolle zerlegt, Achse gereinigt, neue Rolle montiert und die Lage eingestellt.
Alles an dem Laufwerk kpl. nochmal überprüft, auf Laufleichtigkeit und Friktion. Bremsen lösen beim Anhalten, Titelsuchen, …

Darauf achten: Wenn man beim Musik abspielen Schwankungen der Geschwindigkeit oder des Pegels merkt, ist ein Einmessen dann nicht möglich!

Für das Einmessen muss das Laufwerk fehlerfrei sein, absolut in ein 1A Zustand!
Sehr wichtig ist (siehe untere Fotos), dass die Andruckrolle das Band genau durch die Gabel des Tonkopfs führen muss und erst dann der Tonkopf einstellen wird, falls nötig. Ansonsten wird das Band an den Gabelrand geschoben und geknickt, man kann seitlich schwer nachschauen.
Sehr wichtig!, siehe untere Fotos, der Schiebeschalter der Tonkopfstummschaltung muss perfekt kontaktieren, selbst der kleinste Wiederstand /Impedanz zerstört die gesamte Einmessung!

Nochmal die 1KHz Kassette und das NF Signal mit dem Oszi anzapfen, die Laufgeschwindigkeit ca./gerundet 4,75cm/s lag leicht daneben, dass kann an den neuen Riemen liegen. Die Einstellung ist simpel, dass Oszillogramm muss 1KHz + / -10Hz anzeigen. Schwungrad mit dem Finger leicht anbremsen und loslassen, Oszi dabei beobachten, es muss sofort zurückkehren auf 1KHz, wenn ja, dann ist das Laufwerk eingestellt. Das Drehmoment läuft unvermindert; auch auf einer höheren Frequenz testen und auf die Stabilität nach Temperatur dabei das Gerät kalt/warm testen.

Wenn man keine Kassette hat, dann mit einem Top Tapedeck und einem Top Profi-Signalgenerator eine Kassette anfertigen mit 1KHz und Sinus. Dann die Kassette dafür benutzen, ebenfalls kann man 3KHz, 6KHz, 8KHz, 10KHz, 12KHz, 16KHz, aufnehmen, um die Frequenzrange der Wiedergabe und Aufnahme zu testen bzw. für Einstellung der Bias, Rec Level, Dolby usw.
Für so ein Einstellung müsste man echt ein Buch hier schreiben oder man liest bereits Geschriebenes, also lieber lesen. . .

Dolby: für die Einstellung bei Rec mit Dolby stelle ich die VU-Meter auf -3dB, dies wird dann bei Play 0dB angezeigt, dass bedeutet ich verwende ein höheres Aufnahme-Pegel für Dolby damit der Verlust beim Abspielen ausgeglichen ist, sonst, beim Rec mit Dolby auf 0dB werden -3dB beim Wiedergabe in VU-Meter angezeigt. Das habe ich nicht erfunden das ist Praxis. Elektronisch gesteuerten Dolby-Systeme stellen sich von selbst ein.

Nun, nachdem die Geschwindigkeit super eingestellt wurde, folgt der Pegel auf L und R für Play und Rec (hier ein paar Bilder). Tja, welchen Regler sollte man hierdrehen? Da das ein ziemlich kompliziertes Verfahren ist, lasse ich es lieber, dies hier zu beschreiben. Es gibt dazu Fachbücher, lieber die lesen. Neben Kenntnisse, wie z.B. die Reihenfolge, braucht man auch die richtigen Werkzeuge, z.B. Kunststoff-Schraubendreher.
Und ja, ich hab an der Trimkond. gedreht und den Bias geändert bzw. eingestellt auf ein Mittelwert Typ CRII-S.

Der Deck ist fertig; Test auf CRII-S Kassette mit je ein 1min Rec: bei 25Hz bei -10dB nicht hörbar / ab ca. 30Hz hörbar bei ca. -5dB / bei 50Hz -2dB / bei 1KHz + 2dB / bei 3KHz +1dB / bei 6KHz +2dB / bei 6KHz +2dB / bei 10KHz 0dB / bei 12KHz -3dB kaum hörbar / bei 15KHz -10dB nicht hörbar.
So und jetzt könnte man ein Diagramm machen. Für mich und nach meiner Erfahrung ein spitzen Wert.
Mein Technics-Anlage erreicht minimal ein besseres, aber etwas lineareres Diagramm, dass aber in Praxis null Plus-Punkte liefert.

Wieder BIAS, diese magische Einstellung. Ich rechne mit der Praxis ab, wenn man den BIAS/Vormagnetisierung wesentlich verändert, dann hat man ordentliche Lücken in dem Spektrum zu erwarten. Viele stellen den BIAS einfach nach dem Ohr Prinzip ein, steigt der Pegel der Höhenfrequenzen stimmt der BIAS. Und wenn es nach dem Ohr geht, dann sollte man mehrere Kassetten-Typen testen und die Stimmen-Frequenz als Referenz nehmen, sodass ein „S“ als solch zu hören ist und nicht als ein „zisch“. Eine niedrige Frequenz führt zur geringeren Übersteuerung.

Könnte echt darüber Seiten schreiben, auch über die viele Arbeit und Zeit, die ich hierfür in den Braun investiert habe, außer 5€ für ein neue Andruckrolle und 14€ für drei Riemen wurde kein weiteres Material benötigt.
Dank des offen gebauten Gerätes, des sehr präzisen VU-Meter, konnte man das Gerät nahezu perfekt einstellen und ja, man kann noch mehr herauskitzeln. Aber ich denke für ein normales menschliches Ohr, sind 30Hz bis etwas über 12KHz bei durchschnittlich -5dB ein spitzen Wert mit einer leichten Schwankung (ca. 1 bis 2dB) in der Linearität und in dem mittleren Frequenzbereich, dort wo die Musik abspielt wird. Sicher werden Töne auch unter 15Hz oder bis weit über 15KHz aufgenommen, diese können wir aber schwer bzw. nicht gehört werden.
Für mich ist dieses voll mechanisches Laufwerk mit diesen Riesen-Schwungrad und Motor eine der bestens gebauten Tapedecks aller Zeiten. Dank seiner Konstruktion, nahezu unsterblich.

Habe versucht sehr kompakt zu schreiben, bitte für weitere Fragen einen Techniker suchen. Er könnte eure Tapedeck auf Werksauslieferungszustand instand setzen, das ist bei solcher Spitzen-Technik möglich und lohnen wird sich das immer.

Unter realen Bedienungen, Zuhause angekommen mit einem ein TDK MA90 Metall Typ IV*** aufgenommen von einer „Jam & Spoon“- Platte, die Kassette reicht bis 18KHz bei -15dB, ziemlich heftig, gemessen mit ein Alpine Spektrum-Analyser. Um die Werte erreichen zu können, wurde auf nominal -10dB aufgenommen, das ist sehr weit unter der Norm, dadurch soll weit von der Sättigung der Metallpartikel einer höchstmöglichen Dynamik erreicht werden. Was soll ich sagen, falls jemand sich das anhören möchte, sehr gern bitteschön.
Mag sein das diese total veraltete Technik voll Out ist, aber für mich ist das fassbarer Audiogenuss, der vielmal besser ist als jeder komprimierte Audiodatei.

***Diese TDK MA90 Audiokassette gehört zu den besten Audioprodukten, finde ich. Laut TDK kann man mit dieser Beschichtung 100 Jahre erreichen. Jetzt ist diese schon um die 30 Jahre alt, also 70 Jahre hat sie noch vor sich und ist bis jetzt noch verlustfrei. TDK mein Freund, du kannst diese Technik einfach nicht verschwinden lassen.

 

Überarbeitet von Peter aus Niedersachsen

 

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Änderung ab 5. Dezember 2018
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